Euch allen ein verspätetes frohes neues 2023!
Das Jahr 2023 begann für mich in Japan – wie zuletzt im Jahre 2020. Vom 16. Dezember bis zum 11. Januar kehrte ich mal länger zu meiner Familie zurück, wobei ich mit meiner Mutter auch zwei größere Ausflüge machte. Eines hiervon ist die am 4./5. Januar, in der wir die Gegend rund um Kamakura besichtigten.
Zwar war ich hier bereits 2017, doch das lag mir eigentlich recht gut, denn schließlich konnte ich damals sowohl technisch als auch vom Equipment her nicht so fotografieren wie heute. Dementsprechend nahm ich mir – während meine Mutter sich mit einer ihrer Freundinnen traf – drei bis vier Stunden die Zeit, die Shonan-Monorail und die Enoden zu erleben und zu fotografieren – mit dem Ersteren wurde begonnen.
Die Shonan-Monorail ist das Gegenstück der Wuppertaler Schwebebahn in Japan – ist jedoch mit einer Länge von 6,6 km nur halb so lang und wurde auch erst 70 Jahre später als die Wuppertaler Schwebebahn, im Jahre 1970 eröffnet.
Sie verbindet die Stadt Ofuna an die Station Enoshima, von wo aus man per Fähre direkt auf die gleichnamige Insel gelingen kann.
Angekommen war ich an der Kreuzung Fujisawa Shisho West, wo mir direkt eine Weiche ins Auge gefallen war.

Noch ehe ich die erste Schwebebahn am Fahren fotografieren konnte, fiel mir da so ein stehender orangener Wagen mit der Wagennummer 5607 ins Auge und erkannte – hier ist wohl das Betriebshof/die Werkstatt der Schwebebahnen.

Die Dreiteiler haben für jeden Wagen eine eigene Wagennummer. Der hier zu sehene Zug besteht aus den drei Wagen 5607/5207/5608 – die 56er Wagen sind also die Endwagen, die 52er die Mittelwagen.

Etwas weiter hinten stand 5613/5213/5614 – mit der Aufschrift „in Bearbeitung“. Die 5000er-Flotte umfasst sieben Züge, dieser ist der neueste der sieben und stammt aus dem Jahre 2016. Alle sieben Züge haben auch eine andere Farbe; 2013 hier magenta (in Reihenfolge der Nummern: rot, blau, grün, orange, lila, schwarz, magenta).

Dann ließ sich in unmittelbarer Nähe auch der erste Wagen im Linienbetrieb fotografieren. Zug 5611/5211/5612 zeigt sich in der Farbe schwarz und ist der zweitneueste Zug und stammt aus dem Dezember 2015.

Über die gesamte Strecke verkehrt die Schwebebahn eingleisig. Lediglich an den Haltestellen ist es oftmals zweigleisig, sodass dort die Bahnen sich kreuzen können.
Während man in Deutschland auf den eingleisigen Eisenbahnlinien wie der RE10 oder RB31 in NRW Probleme hat, selbst Züge im 30-Minuten-Takt alle 15 Minuten kreuzen zu lassen, ist das in der japanischen Pünktlichkeitskultur auch bei einem 7,5-Minuten-Takt reibungslos machbar. So ist der Fahrplan so gestaltet, dass die Bahnen sich alle 3,75 Minuten kreuzen – schon eine Minute Verspätung hätte in diesem System gravierende Folgen (da sich damit alle weiteren Kreuzungen auf der Strecke auch verspäten), wozu es aber so gut wie nie kommt. Es war schon sehr interessant zu sehen, wenn man an einer Haltestelle stand – wie sekundengenau gleichzeitig die Bahnen aus beiden Richtungen kommen, etwa 30 Sekunden halten, und dann gleichzeitig in beiden Richtungen wieder abfahren. Wie bei einem Rendezvous an einem Busbahnhof, nur dass die Wartezeiten nicht drei Minuten, sondern nur eine halbe Minute dauert. Zu sehen ist hier auf dem Foto die Haltestelle Machiya.

Zug 5601/5201/5602, der älteste der sieben Zügen (Baujahr 2004) erreicht die Haltestelle Fukasawa in Fahrtrichtung Ofuna. Zwischen dem ältesten (2004) und neuesten (2016) Zug liegen also zwölf Jahre Unterschied bei nur sieben Zügen – ist aber recht typisch für Japan, dass Fahrzeuggarnituren über mehrere Jahre durch neue ersetzt werden. Die sieben 5000er Züge haben Wagen aus den 70er und 80er Jahren ersetzt.

Seltenerweise hatte hier mal der grüne Zug (5605/5205/5606, Baujahr 2009, drittältester Zug) etwa zehn Sekunden Verspätung, sodass ich diesen dafür aber fotografieren konnte.

Auf der weiteren Strecke zwischen den Haltestellen Fukasawa und Machiya wurde der Zug 5611/5211/5612 auf seiner Rückfahrt wieder fotografiert.
Da beide Endstellen eingleisig sind, konnte nun der andere Kopf von vorne fotografiert werden.

Wenige Minuten später ist gerade der blaue Zug 5603/5203/5604 dabei, die Steigung zu meistern. Er ist der zweite von sieben erbauten Zügen und stammt aus dem Dezember 2007.

Hier einmal ein Beispiel eines Eingangs einer Station.

Kurz vor der Haltestelle Machiya konnte auch der lilane Zug (5609/5209/5610, drittneuester Zug, Baujahr 09/2015) schön in der Kurve fotografiert werden. Damit waren es auch schon alle, die im Einsatz waren – mit fünf Zügen aus einer Flotte von insgesamt sieben Zügen wird die 6,6 km lange Schwebebahn im 7.5-Minuten-Takt gemeistert.

In die Gegenrichtung kam der schwarze Zug bereits wieder in Richtung Ofuna.

An der nächsten Station, Fujimicho, begegnen sich wieder zwei Züge – hier der grüne und der schwarze Zug.

Manche Stationen, wie diese hier, haben mich doch sehr an Wuppertal erinnert – dieses zum Beispiel an die Haltestelle Hammerstein in Wuppertal. Nicht jede Haltestelle der Shonan Monorail ist auch infrastrukturell modern ausgebaut – bei dieser musste ich die maroden Treppen auch erst einmal finden.

Etwas weiteres erinnerte mich etwas an Wuppertal – zur Überquerung der breiten Autostraße wurden schräge Stützen verwendet. In der Kurve befindet sich der schwarze Zug wieder im Rückkehr in Richtung Enoshima.

Eigentlich wollte ich Richtung Enoshima, doch es hatte mich so sehr an Wuppertal erinnert, dass ich aus Versehen am falschen Bahnsteig wartete und erst beim Einfahren des Zuges bemerkte, dass ich am falschen Bahnsteig stand – schließlich wird hier auch bei der Schwebebahn an zweigleisigen Stellen links gefahren – und nicht rechts wie in Deutschland.

An dieser Seite kam also die Bahn in Fahrtrichtung Ofuna.

Das Treffen der zwei Schwebebahnen mal ganz hautnah:

Ich begab mich zur anderen Haltestellenseite, fotografierte den nächsten Zug nach Ofuna. Selbst die Signalanlage sieht ähnlich aus…

und der blaue Zug führte mich nun letztendlich in Richtung Enoshima.

Einmal ausgestiegen bin ich an der Haltestelle Nishi-Kamakura. Jede Haltestelle sieht einen Ticken anders aus, so fand ich diese auch ganz schön:

Einer Fußgängerbrücke dort habe ich zu verdanken, dass ich einen Zug auch nahezu auf „Augenhöhe“ an einem Bahnsteig haltend von der Seite aus fotografieren konnte:

Tatsächlich konnte man hier in Japan auch Anfang Januar noch ein paar Bäume mit bunten Herbstlaubblättern bestaunen. Die schönste Laubjahreszeit ist in Japan nämlich tatsächlich auch erst Ende November bis Anfang Dezember – ganz anders als hier in Deutschland. Außerdem scheint im Winter nahezu jeden Tag die Sonne – während meines 26-tägigen Aufenthalts vom 16. Dezember bis zum 11. Januar hat es nur an einem einzigen Tag geregnet, an einem Tag war es wolkig und an 24 der 26 Tagen sonnig! Aber es war zumindest etwas kälter als in Deutschland mit Temperaturen von durchschnittlich rund 5 bis 8 Grad.

Ganz viel Zeit hatte ich eigentlich nicht, schließlich musste ich auch die Enoden noch erleben und fotografieren. Zugegebenermaßen plante ich für die Enoden weniger Zeit ein, da ich 2017 diese mehr erlebt hatte und die Schwebebahn eigentlich gar nicht auf Strecke fotografiert hatte (nur an den Endstellen). Dennoch neigte sich meine Fototour an der Schwebebahn nach zweieinhalb Stunden auch langsam dem Ende zu. Kurz vor der Haltestelle Kataseyama erblickte ich noch ein Motiv, welches ich mit ein paar Fotos umsetzen wollte – einmal mit dem schwarzen Zug:

und einmal mit dem roten –

und beim Einfahren in die Haltestelle Kataseyama konnten auch nochmal von etwas mehr Ferne zwei Züge fotografiert werden, der blaue und der lilane.


Zum Abschluss noch ein Bild von der Schwebebahn in der Endstation Enoshima – ebenfalls eingleisig, die Wendezeit („Puffer“) muss also auf beiden Seiten definitiv weniger als sieben Minuten betragen. Tatsächlich habe ich den lilanen Zug nach der obigen Aufnahme noch bekommen.

Eine Erkenntnis, die ich von dieser Schwebebahn gewann: Es muss gar nicht unbedingt die „beste Infrastruktur“ sein, um einen anständigen Betrieb durchzuführen. Natürlich ist bei der Eingleisigkeit über die weite Strecke kein 2-Minuten-Takt möglich, ist dieser jedoch auch nicht unbedingt notwendig. Aber diese Schwebebahn ist ein gutes Beispiel dafür, wieviel Angebot allein aus Pünktlichkeit und guter Instandsetzung herausgeholt werden kann – schließlich ist weder viel Puffer am Fahrplan, noch am Fuhrpark vorhanden. Mehr als zwei Wagen dürfen gar nicht defekt sein, denn dann könnte der 7,5-Minuten-Takt, wofür fünf Fahrzeuge benötigt werden, nicht mehr so durchgeführt werden.
Dort in der unmittelbarer Nähe, wo die Schwebebahn ihre Endstation Enoshima hat, verkehrt im Übrigen die „Enoden“ – eine Straßenbahn (aus deutscher Sicht eher eine Stadtbahn), die von Fujisawa nach Kamakura am Meer entlang verkehrt. Auch diese habe ich fotografiert – ein Bericht dazu kommt demnächst 🙂 Wer hier sein sollte, für sie lohnt es sich definitiv, beides zusammen anzuschauen – denn zwischen der Schwebebahn und der Stadtbahn liegen nur rund zwei Minuten Fußweg dazwischen.
Liebe Grüße
Ryokan