Erst einmal hoffe ich, dass ihr alle schöne Osterfeiertage gehaben habt.
Nach einer kleinen Osterpause geht es nun weiter mit meinem Reisebericht der 19-tägigen Europatour von 13. – 31. März 2023 –
zuvor war ich bereits in
– Lyon (FR)
– Marseille (FR)
– Nizza (FR) sowie in
– Mailand und Venedig (IT). 🙂
Europatour Teil 5 von 6
Budapest, Ungarn (24. – 26.03.2023)
Mittlerweile sind wir beim fünften Teil meines Reiseberichtes angekommen – und sicherlich zu einen der beiden interessantesten Teile, was die Straßenbahn angeht.
Bereits 11 der 19 Reisetage waren vorüber – und damit war die zeitliche Hälfte der Tour bereits längst um, als wir am 24. März gegen 8 Uhr morgens mit dem Flixbus von Venedig in die ungarische Hauptstadt Budapest ankamen.
Nach einer zehnstündigen Busfahrt, die an sich eigentlich doch recht entspannt war und ich sogar nahezu sechs Stunden lang fast ununterbrochen durchschlafen konnte – da wir zufälligerweise die hintersten Plätze bekamen und die komplette hintere Reihe von Venedig bis Budapest frei blieb, sodass wir zu zweit fünf Plätze zum Schlafen hatten: ein ganz großes Glück – waren wir irgendwie trotzdem noch müde, dass wir trotzdem etwa bis 16 Uhr im Hotel verweilten. Nachdem wir mehrere Tage hintereinander in Mailand und Venedig über 30.000 Schritte am Tag hatten und der Durchschnitt der letzten elf Tage nun damit bei knapp 25.000 Schritten lag, waren wir – obwohl wir eigentlich doch so jung sind – doch schon etwas erschöpfter als zu Beginn der Tour. Ebenso war das Wetter nicht mehr ganz geil, so regnete es immer wieder zwischendurch, wobei es zum überwiegenden Teil glücklicherweise „nur“ bei starker Bewölkung blieb und der Regen eher die Ausnahme war. Generell hatten wir mit dem Wetter bis dahin zu viel Glück – mit Ausnahme von zwei kurzen Schauern in Lyon, der ersten besichtigten Stadt, hat es nämlich in den 10 Tagen danach bis Budapest nicht einmal geregnet!
nachdem es am ersten Tag also nur bei einem abendlichen Spaziergang blieb – nutzten wir dann den zweiten Tag, den 25. März doch noch einmal voll aus, um die Stadt zu erkunden. Zur Straßenbahnfotografie kam es dann letztendlich jedoch erst am letzten Tag, den 26. März – da gab ich dann aber wirklich mein Alles. Innerhalb einer Stunde, die ich da noch am Ende zur Verfügung hatte, in dem ich diesmal sogar mit dem dicken Koffer bereits eine Stunde vor meinem Freund aus dem Hotel rausfuhr, während er sich noch geduscht und fertig gemacht hat – rasselte und hasselte ich alleine durch die Stadt und jagte die Straßenbahnen an schönen Motiven kreuz und quer durch die Pest-Seite der Stadt.
Ein glücklicher Umstand war, dass unser Airbnb sehr zentrumnah war. Bereits nach einer Minute Fußweg konnten die Straßenbahnlinien 4 und 6 aufgenommen werden, welche selbst an diesem Sonntagmorgen um 9 Uhr morgens sich zusammen zu einem 5-Minuten-Takt ergänzt haben – ein guter Takt. Und hier bekam ich endlich auch mal wieder von Deutschland sehr bekannte Fahrzeugtypen vor Gesicht – nämlich einen ganz klassischen, niederflurigen, sechsteiligen Combino mit der Nummer 2025.
Zusätzlich strahlte die Sonne aus der richtigen Richtung – eine wunderschöne Combino-Aufnahme entstand.
Tatsächlich sind die Combinos meiner Meinung nach (vor allem optisch) doch recht gut gelungene Niederflurfahrzeuge – auch, wenn sie nach meinem Geschmack nicht die Duewag-MGT6D/NGT6D/NF6D oder Bombardier Flexity Outlook C toppen 😉
Im Einsatz auf der Linie 6 hat der Wagen 2025 gerade die Haltestelle Király utca / Erzsébet körút in Fahrtrichtung Süden verlassen.

Ein nächster Combino an der gleichen Haltestelle.

Fotografieren wollte ich aber unter anderem – wie typisch ich – die älteren Fahrzeuge im Linieneinsatz.
Da ich bereits durch die Spaziergänge in den vorherigen Tagen ungefähr einen Einblick erhielt, wo diese fahren – fuhr ich auch dorthin, und fing um eine gute Laufroute zu haben – „oben“ am Haltepunkt Jászai Mari tér an. Dort befindet sich die Endhaltestelle der Linien 2 / 2B und 23, auf denen diese Fahrzeuge unter anderem verkehren.
Dieser Fahrzeugtyp wurde zwischen 1967 und 1978 von Ganz gebaut und wurde nur an Budapest verkauft – somit sind es einzigartige Fahrzeuge auf der gesamten Welt.
Nach der Reise erfuhr ich via Wikipedia, dass diese Fahrzeuge, die auf diesen Linien (2 / 2B und 23) im Einsatz sind, im Gegensatz zu denen, die auf der 19, 47, 48 und 49 verkehren – in den Jahren 1997 bis 1999 modernisiert wurden und zwar optisch genauso aussehen wie die originalen Fahrzeuge, jedoch technisch neu konzipiert wurde.

Noch einen letzten Combino-Bild machte ich an der selben Haltestelle; der 2040 (welcher auch der Wagen mit der höchsten Nummer ist) befährt gerade die dortige Brücke Margit híd herunter.

Kaum war ich einmal den Combino fotografieren, war der auf Bild 2 zu sehene Tw 1353 bereits abgefahren und der nächste Wagen der 2 / 2B kam in Form von TW 1347 angerollt.

Nun waren es 1347 und 1330.

Nun ging es mit dem Koffer die Balassi Bálint utca (utca = Straße) herunter. Noch ehe ich die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit Budapests, dem Parliament, erreichen konnte, kam mir noch der 1339 im Gegenlicht entgegen.

Kurz daraufhin wechselte ich die Straßenseite, um den 1330 in die Gegenrichtung aufzunehmen.

Rund um den Kossuth Lajos Square, quasi der Platz vor dem Parliament, wurden verschiedene schöne Motive ausprobiert. Bereits als ich am Freitagabend hier war stellte ich fest, dass die Stelle hier wirklich sehr straßenbahnfotogen ist – Lichtverhältnisse seien mal dahingestellt.
Einmal wurde TW 1329 mit dem dortigen Schokoladenmuseum im Hintergrund aufgenommen:

sowie einen Moment später mit ihm eine Impression mit dem Parliament:

Das nächste Bild ist eines meiner Lieblingsbilder aus Budapest – 1347 vor der Kulisse eines wunderbaren Aussichts und einer Statue.

auch schön – bunte Farben vor dem „Parlamentplatz“ – so wie ich den zumindest nenne.

Bei seinem Bruder 1348 wurde versucht, ihn mit der dort bekannten Statue Gróf Andrássy Gyula szobra im Hintergrund aufzunehmen – mit Erfolg:

Ebenfalls schön: 1362, der Folgekurs, beim Fahrgastwechsel an der Haltestelle Kossuth Lajos tér M. Wir befinden uns immer noch am Parlamentplatz – nun nur eben auf der „südlichen“ Seite, ich als Fotograf stand nun quasi direkt am Eingang des Schokoladenmuseums, im Hintergrund zu sehen die Spitze von der Maria-Magdalena-Kirche auf der Buda-Seite der Stadt (die Fischerbastei und die Matthiaskirche ist nur knapp nicht zu sehen) und davor eine weitere Statue, die Gyula Andrássy, welche sich unmittelbar hinter der Haltestelle befindet. Zwischen der Statur und der Kirche fließt der Fluss Budapests – der Donau, die bis nach Ulm fließt!
(Ehrlich gesagt bin ich darüber ein wenig überrascht, ich erfuhr es erst gerade beim Schreiben dieses Beitrags… als Erdkunde LKler ein wenig peinlich…)

Begegnungen sind auch immer wieder schön. Von daher wurde 1362 nochmals – nun dem Wagen 1339 begegnend – fotografiert:

Irgendwie gefallen mir die Bilder auch.
Manchmal kann ich nicht entscheiden, was besser ist.

Mit 1339 hier nach dem Verlassen der Haltestelle nun nicht nur die eben genannte Statur in größer, sondern nun auch zu sehen die Spitze der Pfarrkirche St. Anna, welche ebenfalls wie die Maria-Magdalena-Kirche auf der anderen Seite des Flusses liegt.

Hinter der nächsten Kurve sieht es nun wieder etwas anders aus. Einmal von einer nicht so häufig befahrenen Autostraße aus fotografiert:

Und siehe da, da habe ich doch noch einen Combino fotografiert. Der Teufel steckt im Detail 😉
Kein Scherz, meiner Meinung nach auch eine sehr gelungene Aufnahme – mit zwei dieser Straßenbahnwagen aus Ganz sowie ganz hinten auf der Brücke zu sehen ein Combino und das alles vor der genialen Aussicht mit den Bergen und den schönen Wolken im Hintergrund. Die Brücke, welche der Combino gerade befährt, ist übrigens die Brücke, wo ich zu Beginn den 2040 aufgenommen habe – der „Margaretenbrücke“ (übersetzt).

Und weil es so schön war, gab es einen Moment später noch eine Aufnahme von 1329.

Ein weiteres, fotografisches Spielchen wurde mir an der nächsten Haltestelle, Széchenyi István tér, mit dem Wagen 1348 ermöglicht, zu der die Straßenbahn eine leichtes Gefälle befährt:


Serienaufnahmen… doch das dritte Bild finde ich auch irgendwie sehr interessant:

Am Ende ging es nun noch fußläufig zur Strecke der Linien 47/49. An den Straßenbahnen mit Rollbandanzeigen erkenne ich nun auch den optischen Unterschied zwischen der modernisierten Bahnen auf den Linien 2 / 2B / 23 und der nicht modernisierten hier. 1400 und 1442 waren beides Wagen, die nicht modernisiert waren und auf ihre Abfahrt von der Haltestelle Deák Ferenc tér M abwarteten:

Eine Detailaufnahme.

Leider endete meine Fototour in Budapest nicht ganz glücklich; um 11:40 Uhr sollte ich mich eigentlich mit meinem Freund an der Markthalle treffen um diese noch kurz vor der Abreise nach Wien zu besichtigen; leider vergaß ich vor lauter Zeitdruck ich einen Einzelfahrschein für umgerechnet läppische 90 Cent zu kaufen und wurde bei einer Fahrt von drei Haltestellen mit dem Wagen 1400 dann noch an meiner Ausstiegshaltestelle kontrolliert, sodass aus fünf Minuten Verspätung, die ich bereits hatte, 15 wurden…
Kurzerhand kam von der anderen Seite noch der Wagen 1357 angefahren, sodass ich den mit dem eigentlich wunderschönen Motiv auf der Brücke aufnahm – gelang natürlich bei der Spontanität nicht gut. Weitere sieben Minuten wollte ich meinen Freund dann aber auch nicht mehr warten lassen, so blieb es dabei…

Nachdem der ganze Vorgang mit dem Kontrolleur abgeschlossen war und ich das Überweisungspapier erhielt (mit ca. 32€ bin ich übrigens doch noch recht „glimpflich“ davon gekommen) eilte ich zu meinem Freund – um nur einen Moment später festzustellen, dass die Markthalle geschlossen war (weil es Sonntag war) und wir uns beide nun auch noch einfach unnötig gestresst haben. Also suchten wir noch nach einem Bäcker und holten uns etwas Kleines – und als wir dann an der Haltestelle Kálvin tér M schließlich warteten um Richtung Bahnhof (Kelenföld) zu fahren, kam der 1400er, der für mich nun als „Unglückswagen“ galt – gerade zurück. Ohne das zum Fotozeitpunkt bemerkt zu haben, dass es der Wagen ist, schoss ich nochmal ein letztes Bild der Budapester Straßenbahn, bevor wir Budapest nach zweieinhalbtägigem Aufenthalt nun in Richtung Wien verließen.

Mit Ausnahme des Unglücks mit dem Fahrschein, dem Zeitdruck und der geschlossenen Markthalle, war der Aufenthalt in Budapest aber doch wirklich sehr schön – und auch die Straßenbahn hat mir hier sehr gefallen. Die TW6000 aus Hannover hätten mich auch noch interessiert – aber so genau hatte ich das auch nicht geplant, sodass sie mir einfach nicht über den Weg liefen. Im Nachhinein erfuhr ich, dass sie u. a. auf den Linien 3, 28, 37, 42, 50-52, 62 und 69 eingesetzt werden.
Apropos Wien… Wien wird nicht Teil 6 von 6 sein. In Wien hielten wir uns zwar als neunte Stadt (nach Lyon, Marseille, Nizza, Monaco, Mailand, Verona, Venedig und Budapest – fett markiert die Städte mit Straßenbahnen) auf – und ich fragte ja sogar hier im Forum nach dem Wageneinsatz der E2 – doch dort angekommen war ich am ersten Tag noch erschöpfter als an dem ersten Tag in Budapest, sodass der Tag quasi gelaufen war – und am zweiten Tag wir von einem Schneestürmen überrascht wurden, sodass da einfach keine Zeit mehr blieb für die Straßenbahnfotografie. Exakt ein Bild entstand in Wien, wohlgemerkt beim Gehen und ohne richtig auf die Kameraeinstellung geschaut zu haben, sodass dessen Qualität jedoch um Längen nicht vergleichbar mit der Qualität aller bisheriger Straßenbahnbilder ist – verschwommen und verwackelt ist es, nur hänge ich es doch mal hier an als Beweis, dass ich tatsächlich in Wien war…
entstanden ist diese Aufnahme dann am 27.03.2023 auf der Währinger Straße – links auf dem Bild übrigens zu sehen die Trafik von Otto Trsnjek aus dem Buch „Der Trafikant“, den wir in der Schule gelesen haben und exakt weswegen wir uns an diesem Tag auch hier befunden haben. Zufällig reihten sich dann genau dort gleich zwei E2-Traktionen hintereinander, einer auf der 38, einer auf der 40?, sodass die Kamera spontan rausgezuckt wurde.

Ich wünsche euch allen einen guten Start in die neue Woche – und der letzte Teil folgt dann demnächst 🙂