Am gestrigen Mittwoch, 27.9. begab ich mich – eigentlich schon angekündigt – ziemlich spontan in die hessische Großstadt Darmstadt, das von meinem aktuellen Wohnort Aachen doch ein paar Stunden weit entfernt ist.
Nach dreieinhalb Wochen Mathe- (und Physik-) Vorkurs brauchte ich jedoch dringend eine Verschnaufpause.
Dienstagmittag in der Vorlesung ging mir dann der Gedanken durch den Kopf – „Hm, morgen ist das Wetter gut, soll ich mal eben irgendwo hinfahren? Schließlich ist in der kommenden Woche die Erstiwoche und danach fängt es richtig erst an – es wäre die letzte Chance, noch irgendwo an einem Werktag hinzufahren!“ Darmstadt stand schon länger auf der Liste und u. a. durch den möglichen Einsatz des ST7 31 gelang diese sonst eher uninteressante Stadt diesmal auf Platz 1 der Wunschliste – und so schaute ich schnell auf die Seite der deutschen Bahn nach einer Verbindung dorthin und ergatterte mir am Nachmittag zuhause direkt für 16,40 Euro* ein Schnäppchen-One-Way-Ticket für den EC 115 von Köln nach Mainz am nächsten Tag.
Die selbständige Anreise nach Köln (RE1) sowie die Weiterfahrt von Mainz nach Darmstadt (RB75) erfolgte mit dem 49€-Ticket, das ich sowieso schon besaß. Doppelt bezahlen wollte ich ja natürlich nicht 😉
*da ich unter 27 Jahre alt bin, sind die Tickets generell günstiger + BahnCard 25 Rabatt. Desöfteren konnte ich so auch schon mal für 9,65 Euro mit dem Fernverkehr fahren.
Um 7:02 Uhr ging es mit dem RE1 von Aachen-Schanz direkt bis nach Köln, von Mainz aus wurde der RB75 genommen, mit dem ich mit ein paar Minuten Verspätung Darmstadt gegen ca. 11:15 Uhr erreichte.
Gleich am Hauptbahnhof entstand dann auch schon das erste Bild mit der „InnoTram“ ST14 0783.
Dass da links so eine große Fläche mit einem so großen Straßenbahnsymbol und einer großen DFI Anzeige ist, ist mir erst jetzt beim Anschauen der Bilder aufgefallen – zu nah stand ich dort, um es wirklich hätte bemerken zu können.

Ich begab mich zum Luisenplatz, das ich tatsächlich sogar kannte – genau einmal war ich zuvor in meinem Leben in Darmstadt, und zwar am 1. August 2016.
Damals war ich noch junge 12 Jahre alt, war aber natürlich schon längst hier im Forum aktiv und habe vier Straßenbahnfotos auch dort gemacht, die ich dann auch hochgeladen hatte – angetroffen hatte ich damals die ST14 0788, 0790, 0792 sowie den ST12 9119, welcher mittlerweile sogar bereits abgestellt ist. https://www.drehscheibe-online.de/foren/read.php?005,8051235
Und tatsächlich wurde auch diesmal der 0790 – weiterhin (oder wieder?) werbefrei wie damals – wieder am Luisenplatz aufgenommen, auch wenn das Foto von damals einmal ums Eck auf einer anderen Linie aufgenommen wurde als das gestrige.

Erstmals aufgenommen wurden die 98er. Dessen Existenz war mir garnicht bewusst, ich dachte, die 07er wären die nächst neueren Fahrzeuge nach den 91ern.
Tatsächlich heißen sie ST13, wovon sogar ganze 20 Stück existieren (wobei 2 hiervon aktuell abgestellt sind).

Ein weiterer 98er mit einer ziemlich ausgefallenen (meinem Geschmack nach gelungenen) Vollwerbung konnte ich am Schloss ablichten.

Kurz darauf folgte ST14 0791.

Ein Rückschuss von 0789.

und 9437. Mittlerweile sind die Beiwagen auch knapp 30 Jahre alt.

Auch 9862 konnte noch schön fotografiert werden.

Und genauso schön sollte eigentlich auch der 31 fotografiert werden, auf den ich nun lange gewartet hatte – doch leider kamen ganz viele Busse in die Gegenrichtung (wie man es auf dem Bild auch sieht), sodass nur ein Notschuss aus der Mitte der Fahrbahn gemacht werden konnte.

Der Innenraum war noch recht leer. So konnten auch drinnen ein paar Aufnahmen gemacht werden:


Baujahr 1961. 62 Jahre alt, der Wagen hatte schon wirklich seinen Charme. Gerade die Akustik hat mir gefallen – danke hier für den Tipp eines Users hier, der den Streckenabschnitt zwischen Eissportzentrum und Borsdorffstraße empfohlen hat – das war schon wirklich der Hammer. Wurde natürlich auch aufgenommen – ein Video folgt später!

Ausgestiegen wurde an der Siemensstraße, da strahlte das Licht halbwegs von einer ordentlichen Seite. An der Haltestelle wurde somit TW 31 – diesmal nun auch schöner – fotografiert.

Auf der anderen Seite wartete ich dann auf den TW 0790, der den Kurs kurz vor 31 gefahren ist.
Ab Nordpark stiegen auch in diesen Wagen bereits ein ganzer Teil an Schülern hinein, sah aber, wie viele gerade die Bahn aber noch nicht bekommen und ich dachte mir nur so: sie haben Glück gehabt, dass sie die Bahn verpassen, dafür können sie gleich mit der hübschen 31 fahren!

Ich verpasste die Fahrt des TW31 diesmal aber aus gutem Grund, denn schließlich wollte ich sie noch einmal gut aufnehmen – und dafür wollte ich mich irgendwo hinstellen.
Nachdem ich lange auf der Strecke nicht wirklich eine gute Stelle gefunden habe, entschied ich mich letztendlich – ein wenig notgedrungen – für ein Foto auf der Nieder-Ramstädter Straße.
Auf dem Abschnitt zwischen den Haltestellen Rößdorfer Platz und der Haltestelle Herdweg wurde der ST7 31 perfekt eingefangen.
Auch wenn die Gebäude rechts nicht ganz symphatisch sind, ist mir dieses Bild doch wirklich sehr gut gelungen; und irgendwie passen diese alten Plattenbauten auch zu der Generation des Straßenbahnzugs.

Auf einen näheren Schuss konnte ich dennoch nicht verzichten:

Da es so nah war, begab ich mich noch kurz auf die Stichstrecke nach Lichtwiese, wo ein Großteil der TU Dortmund angesiedelt ist.
Da ich gerade in der Uni eine neue Freundin kennengelernt habe, die aus Dortmund kommt und in der Fakultät Maschinenbau für einen Jahr lang nach dem Abitur gearbeitet hat, fand ich es mal interessant zu wissen, wie das denn dort aussieht. Wobei ich letztendlich ein Aufsuchen der Fakultät zeitbedingt verzichtete und eigentlich so gut wie nur die Haltestelle inklusive des TW 0781 aufgenommen habe – und sonst ein paar Fotos der Umgebung vom Blick aus der Haltestelle aus.
Die DFI Anzeigen der HEAG haben übrigens irgendwas in sich – sie passen, und sie passen auch sehr gut zu dem blauen Dach des TW 0781, und der orangene Balken des Wartehäuschen passt zu der orangenen Farbe des Fahrzeugs in der Mitte. Ein gelber ST 15 kommt mir hier irgendwie hingegen ein wenig befremdlich vor.
Das Foto sieht irgendwie mit all diesen modernen Gebäuden und der Grünflächen und der modernen Haltestellenanlage fast schon aus wie eine perfekte Grafik. Sicher, dass es keine Grafik ist?

Im Übrigen habe ich eine Frage an dieser Stelle – weil ich es gerade beim Betrachten der Fotos gesehen habe – weiß jemand, was in diesem Gefäß mit dem orangenen Hütchen drin ist?
In der Grundschule wurde mir mal gesagt, dass das der „Schwitzkasten“ sei und habe lange daran geglaubt ohne zu wissen was ein Schwitzkasten ist, doch nachdem ich kürzlich recherchiert habe weiß ich, dass es definitiv nicht der Schwitzkasten ist… aber ich habe mich auch nie getraut, das Ding mal zu öffnen. Weiß das jemand?
Zurück zum Schloss, hinter mir folgte direkt der ST12 9120 – nun hab ich auch endlich mal diesen Typ auf meiner Kamera drauf. Ein Fahrzeugtyp, das bald mit der Inbetriebnahme der ST15 aus dem Stadtbild verschwinden wird, heute aber noch unverzichtbar ist. 9120 war der Einzige, der auf der 5 verkehrt ist.

Entstanden ist ein hübsches Bild mit dem Gebäude links, welches tatsächlich das Schloss (bzw. Schlossmuseum) ist.

Zurück in Richtung Luisenplatz, wurde 9866 kurz vor dem Erreichen der Haltestelle fotografiert.

Anschließend ging es noch an die Strecke der 6. Erst einmal fuhr ich gen Norden bis zum Nordbahnhof, um den nächsten ST12 entgegenzufahren – danke auch hier für den Tipp, die Seite HEAG Live hat mir schon wirklich sehr geholfen. Leider wurde ich am Nordbahnhof direkt nach dem Aussteigen am Bahnsteig in Richtung Norden von einem sehr großen Insekt, einer fliegenden oder springenden(?) Wanze (ist das überhaupt möglich?) überrascht, welcher sich plötzlich auf meinem Rucksack befand. Ein Albtraum für mich, erst einmal umwarf ich mein Rucksack mehrmals in der Luft und sprintete auf die gegenüberliegende Seite, wo ich erneut – oder noch einen – der Wanze auf dem Bahnsteig sah. Völlig aus der Bahn gerissen kam der 9121 auch schon angefahren, sodass das Bild von ihm auch nur noch aus Not geschossen werden konnte, wobei man hier eh nicht hätte gut fotografieren können. Aber eines stand fest: nie wieder Darmstadt Nordbahnhof. Sollte jemand ähnliche Erfahrungen dort gemacht haben, lass es mich bitte wissen – es hilft mir zumindest mental schon ein wenig, wenn ich eine Bestätigung bekomme, dass diese Wanzen dort besonders häufig auftauchten. Die nächsten 60 Minuten bin ich dank dem an jedem Baum mit 10 Meter Abstand vorbeigelaufen, wobei dort ja auch eine ganze Autospur zwischen den nächsten Bäumen war, sodass es mich schon wirklich sehr gewundert hat.

Wirklich sehr schön überrascht war ich dann aber von Darmstadt – Eberstadt, gerade die Sicht an der Haltestelle Modaustraße fand ich einfach super romantisch.
Aufgrund ihrer entfernten Lage wird wohl dieser Ort nicht ganz so bekannt für alle sein, und erst recht nicht von Straßenbahnfotografen besetzt sein. Umso interessanter fand ich es, diesen Ort mal selber zu erkunden – von Straßenbahnen hier hatte ich auch bislang keine Bilder im Netz gefunden.
Darmstadt sei zum Großteil im Krieg zerbombt worden – so zumindest habe ich es von der Freundin aus Darmstadt erfahren, doch hier in Eberstadt scheint das wohl nicht der Fall gewesen zu sein – wunderschöne Gebäude, die ich zum Teil gesehen habe, andere wirkten aber auch sehr verlassen. Auf diesem Bild ist der graue Benz dahingegen fast schon das Hässlichste, was zu sehen ist.

Natürlich wartete ich hier auf eine Straßenbahn in die Gegenrichtung, die auf dem obigen Bild sogar auch schon bereits zu sehen war. Es kam der Tw 9857.

Zwar ohne Straßenbahn, aber eine Stelle die ebenfalls irgendwie ihren Charme hatte – und das blaue Auto kam natürlich da gerade zugerauscht wie als wäre es geplant!
So können Autos auf Bildern auch mal wirklich das Bild aufwerten – als abwerten, was sie sonst oftmals tut.
Das Bild, das auch ein wenig aussieht wie ein Bild aus den Grafiken der theoretischen Führerscheinprüfung.
So eng wie manch Stellen sind, hat es mich aber wirklich gewundert, dass die Straßenbahn hier nicht eingleisig fährt!

Zu guter Letzt wurde an der Haltestelle Wartehalle ein paar Straßenbahnen aufgenommen – u. a. 9863 mit dem ebenfalls schönen Hintergrund von Darmstadt-Eberstadt. Hier ist sozusagen die „Einkaufsmeile“ von Darmstadt-Eberstadt mit einigen, örtlichen Geschäften.
Im Vergleich zur Stadt Darmstadt war das hier so ein anderes Leben – ein Ort, der noch nicht „zugemüllt“ ist von den ganzen Ketten sondern wirklich noch seinen eigenen Charakter hat.
Irgendwie habe ich das schon sehr genossen.

Gewartet wurde noch auf die zwei zufälligerweise hintereinander verkehrten ST12, die in die Gegenrichtung hier nicht mehr schön fotografiert werden konnten, da die Sonne tiefer als erwartet war, aber immerhin überhaupt – es folgten 9122 „Brescia“ und 9117 „Trondheim“.


Auf dem drittletzten Bild konnte man es nicht ganz so gut erkennen, hier aber schon: besonders charmevoll macht das Berg, das man hier bei gutem Wetter im Hintergrund erkennen kann.
Fotografisch lässt sich dieser Berg mit viel Zoom und angemessener Belichtung ebenfalls zeigen.

Bei den letzten Aufnahmen vom Straßenbahntriebwagen 0789, war der Berg dann aber leider wieder nicht mehr ganz so gut zu sehen.


Anschließend brachte mich eben dieser Wagen zurück in Richtung Hauptbahnhof, ab Darmstadt Hbf ging es dann mit RB75, RE2, RE5 und RE1 rein mit dem 49€ Ticket zurück bis nach Aachen.
Die Rückfahrt dauerte inklusive einer Verspätung des RE5 etwas mehr als fünf Stunden, was aber definitiv machbar war und woran ich mich auch schon gewöhnt hatte; da ich im Juli ja auch mal quasi einen ganzen Tag nur mit 49 Euro Ticket gefahren war – um 4:40 Uhr von Bamberg mit Zwischenaufenthalten in Würzburg, Sinsheim und Heidelberg bis nach Krefeld nur mit dem Regionalverkehr. Und das war natürlich etwas anspruchsvoller als „nur“ von Darmstadt bis nach Aachen nur mit Regio zu fahren.
Morgen ist mein letzter Vorkurstag, und in der kommenden Woche geht es dann mit der „richtigen“ Uni los. Ich vermute mal, dass es daher vorerst mal die letzte Tour war – wobei – wer weiß, wie lange die Motivation hält und ich mir doch erneut mal denke, einen Tag könnte ich ja mal… 😉 verbieten tut es mir hier keiner, aber ich bin nun eben selbstverantwortlich. Um ehrlich zu sein bin ich schon wirklich gespannt, wie das alles ab nächste Woche wird. Ein paar gute Freunde habe ich aber nun in den ersten drei Wochen bereits kennengelernt und auch mit dem Alleine Wohnen bekomme ich es mehr oder weniger gut hin – von daher dürfte – mal abgesehen von dem eventuell zu hohem Schwierigkeitsgrad des Studiums selbst – alles machbar sein.
Liebe Grüße aus Aachen,
Ryokan