So lange ich doch schon in Krefeld wohne (15 Jahre) und fotografiere (8 Jahre), hatte ich eins noch nicht so oft gemacht:
Das Straßenbahnfotografieren am Abend.
Während ich 2020 während des Corona-Lockdowns fast alle möglichen Morgen- und Mittags-Motive umgesetzt habe, war ein Fotografieren nach 19 Uhr einfach nicht so mein Ding bisher und seitdem ich nach dem Abi vor einem Jahr angefangen habe, meistens abends von 18 bis 22 im Supermarkt zu arbeiten, bot es sich noch weniger an.
Aber gestern hatte ich einen freien Tag, und so nutzte ich diese Chance – kurz bevor ich ab August nach Aachen zum Studium umziehen werde – um auf den von meinem aktuellen Wohnort entferntesten Strecken der Linie 044 (nach Hüls) und 041 (nach St. Tönis) abendliche Aufnahmen anzufertigen.
1. Die kleine Fahrradtour begann mit einem Abstecher in Richtung Hüls, wo gegen 18:30 Uhr FOC 662 in der Endhaltestelle Hüls Betriebshof wartend aufgenommen wurde.
Nach mehreren Jahrzehnten ist diese Haltestellen jedoch leider nicht mehr dem Namen gerecht – im Oktober 2021 war der letzte Rest des ehemaligen Hülser Betriebshofes, die Abstellhalle, abgebaut worden, und seitdem endet die Linie 044 vor einem nicht gerade romantischen Zaun, statt vor einer geschichtswürdigen Abstellhalle; schließlich wurde der älteste elektrische Triebwagen Krefelds, der Blaue Enzian, mehrere Jahre lang im Hülser Betriebshof versteckt gehalten…

Eine Fahrleitung existiert noch bis zum Zaun an der Schulstraße, die Gleise scheinen aber nicht (mehr) befahrbar zu sein.

Gesichert ist das Ganze mit einem Schild, welches warnend in Gelb am Zaun vorne angebracht ist…

Weiter geht es mit etwas schöneren Aufnahmen.
Die eingleisige Strecke zwischen Am Schützenhof und Hüls Betriebshof hat etwas, leider war es mir nur doch immer recht so weit entfernt, um da gerne öfter Fotos zu machen.
Gestern klappte es aber – leider schien die Sonne noch nicht so, wie ich es mir wünschte, aber FOC 614 konnte kurz vor dem Einfahren in die Haltestelle Steeger Dyk aufgenommen werden.

Nach einer Viertelstunde sah es schon deutlich schöner aus – einige Meter weiter wurde die Krefelder Jubiläumsbahn (650 Jahre) FOC 663 beim Einfahren in die eingleisige Strecke kurz hinter der Haltestelle Am Schützenhof in Richtung Hüls Betriebshof aufgenommen, kurz nachdem 614 die Strecke freigegeben hat.

Die Hülser Straße ist wirklich so ein Problem, wohl auch der Grund, warum es mich so selten nach Hüls verschlagen hat. Schließlich kann man dort sehr schlecht Straßenbahnen „von links“ fotografieren, d. h. das Zeitfenster, in der man bei gutem Wetter fotografieren kann, ist etwa auf 12 bis 14 Uhr und auf die in Fahrtrichtung Linn fahrenden Bahnen beschränkt… So semi-optimal fing ich aber trotzdem den nähsten Kurs mit FOC 616 besetzt beim Einfahren in die Haltestelle Kapuzinerkloster ein.

Etwas schöner konnte dann wieder FOC 612 an der Haltestelle Weyerhofstraße aufgenommen werden, auf den letzten Metern des straßenbündigen Abschnitts.
Die Werbung des 612 ist mittlerweile auch gute zehn Jahre alt – ich bin froh, dass er sie noch trägt.

Vielerorts ist das Fotografieren um die Uhrzeit aber tatsächlich nicht mehr ganz so einfach, da bei hohen Gebäuden und Bäumen ganz viel Schatten auf die Bahn schlägt.
Das Motiv an der Drießendorfer Straße fand ich trotzdem irgendwie schön – ein Rückschuss von 663 reichte mir aber persönlich.
Hier gibt es im Übrigen eine ganz leckere Eisdiele 🙂

Über den Preußenring ging es nun weiter zur Linie 041, wo ich den ersten in Form von FOC 618 kurz vor der Haltestelle Gutenbergstraße einfing.
Knapp daneben ist leider auch knapp daneben – für eine perfekte Aufnahme fuhr mir das Auto neben der Bahn mir leider ein paar Millisekunden zu schnell.

Kurz hinter der Haltestelle Kempener Platte gelang mir mit FOC 605 eine recht schöne Aufnahme in abendlicher Stimmung.

Leicht überquerte ich mit meinem Fahrrad noch die Stadtgrenze; und am Nordring in St. Tönis konnte er auf seiner Rückfahrt wieder aufgenommen werden.

Allmählich verschwand die Sonne wieder hinter leichten Wolken, während ich FOC 671 an der Haltestelle Biwak in Fahrtrichtung Wilhelmplatz aufnahm.

Sehr schön empfand ich die Fotostelle an der Haltestelle Oberbenrad – wieder zurück in Krefeld. Leider war es mir mittlerweile fast schon ein wenig zu dunkel, die Uhr zeigte mir schon nach 20 Uhr an.
FOC 604 befindet sich hier auf seiner letzten Runde nach St. Tönis.

und einen Rückschuss, das mir etwas heller gelang.

Bei dieser recht tiefen Sonne finde ich sogar irgendwie Aufnahmen „in die Gegensonne“ sozusagen schöner – FOC 671 hier auf der Rückfahrt nach Grundend.

Zu meiner Überraschung kam mir noch ein M8C vor die Linse – auch er fuhr auf der 041, leider habe ich ihn erst, kurz vor dem Betriebshof Weeserweg (zwischen Obergplatz und Schicks), jetzt zum ersten Mal erwischt.

Gegen 20 Uhr beginnt auch schon die Zeit für die ersten Einrückfahrten, und so nahm ich noch ein paar Aufnahmen einiger Einrücker auf dem Weg nach Hause mit.
FOC 617 vor dem SWK-Hauptgebäude kurz vor der Haltestelle Obergplatz:

665 war kein Einrücker, sondern eine 041, der aber nach der Fahrt nach St. Tönis nun auch bald seinen Feierabend verdient hat:

FOC 616, der vorhin ja auf der 044 war, fotografierte ich nochmals vor der Haltestelle Gutenbergstraße.

und nun zuletzt den FOC 607 am Westwall/Rathaus.

Im Übrigen standen genau an diesem Tag vor 13 Jahren, dem 14. Juli 2010, genau gegen diese Uhrzeit zahlreiche Fotografen vor dem Betriebshof Weeserweg und warteten wie ich gestern auf die Einrücker – wem sagt etwas noch dieser Datum, was an diesem Tag war?
An diesem Abend rückten nach 46 Jahren (angefangen in Form von GT6 im Jahre 1964) zum letzten Mal die GT8 aus dem Plandienst – wenn die Uhrzeit der Kamera stimmt, von dem ich ein paar Fotos zur Erinnerung bekommen habe, müssten die GT8 812 und 817 als dritt- und vorletzter Wagen gegen 20:57 und 21:01 Uhr eingerückt sein (wobei die Aufnahmen vermuten lassen, dass die Kamerauhrzeit um genau zwei Minuten hinterherlief, sprich eher 20:59 und 21:03) und 814 fuhr als Einziger noch auf einem nächtlichen Kurs – und ist vermutlich am 15. Juli 2010 um 1:01 Uhr eingerückt.
Ich hoffe, Stefan, diese Aufnahme hier einmal zeigen zu können, so sehr sie mir doch gefällt – es zeigt den 38 Jahre alten GT8 812 beim Einfahren in den Betriebshof, kurz hinter dem FOC 613 folgend, der zu diesem Zeitpunkt frische 2 Monate und 9 Tage alt war und sich aber auch bereits im Liniendienst befand (Auslieferung am 5.5.2010).
Übrigens: Da, wo damals die Aral-Tankstelle war, befindet sich nun eine bft-Tankstelle – das mal dazu, was sich hier in der Umgebung in den letzten 13 Jahren verändert hat.

Das mir letzte vorliegende Beweisfoto zeigt einen Anschlusstreffen am 14. Juli 2010 um 22:35 Uhr an der Rheinstraße in Fahrtrichtung Hüls/Elfrath/St. Tönis mit M8C 841 auf der 042, FOC 611 auf der 044 und als dritten Wagen den GT8 814 auf der 041. Damals war der FOC 611 noch frische drei Monate alt (Auslieferung am 08.04.2010), während der 841 in etwa 28 1/2 Jahre auf dem Buckel hatte und der GT8 814 mit Baujahr 1972 38 Jahre.
Für alle war es der letzte Schultag, und ich war an diesem Tag noch im Kindergarten und fuhren, nachmittags direkt nach Holland, sodass ich hiervon nichts erfuhr und auch nichts erfahren konnte. Aber sowohl den GT8 817, als auch den FOC 611, hatte ich tatsächlich einmal am 1. Juni 2010 noch fotografiert gehabt 😉
Heute, 13 Jahre später, befinden sich von den letzten drei GT8 812, 814 und 817 noch die beiden GT8 812 und 814 weiterhin im polnischen Graudenz im Liniendienst (unter den Nummern 88 und 87), wohingegen 817 nach seiner Abstellung am 14. Juli 2010 wenige Monate später verschrottet wurde, wobei die Ausmusterung der GT8 812 und 814 in Graudenz wohl auch nicht mehr lange hin ist – laut Gerüchten zufolge sollen 2024 bis 2025 alle GT8 durch neue Niederflurbahnen ersetzt werden.
M8C 841, der zusammen mit dem GT8 814 den vorletzten und somit auch den letzten Anschlusstreffen (die Kurslänger der Linien 041 und 042 sind gleich) durchgeführt hat, ist hingegen nun tatsächlich bereits vor dem GT8 814 in Schrotthaufen umgewandelt worden – nur sieben Jahre später, am 24. Juli 2017. Der FOC 611 ist aber natürlich noch existent, ist aber auch nun somit nicht mehr 3 Monate, sondern bereits 13 Jahre und 3 Monate alt.
In den letzten Jahrzehnten mit dem ältesten Alter ausgemustert wurden im Übrigen die GT8 809 und 810 im Juni 2010 – nach einer Einsatzdauer von 46 Jahren, nachdem dieser 1964 zunächst als GT6 609 und 610 ausgeliefert worden waren. Die Krefelder M8C, darunter beispielsweise auch der oben gezeigte 845, sind aber mittlerweile auch schon 42 bis 43 Jahre alt und es ist damit zu rechnen, dass sie noch mindestens bis 2027 verkehren werden.
Somit werden sie das Höchstalter der GT8 bei der Ausmusterung höchst wahrscheinlich sogar übertreffen können.
So alt die GT8 irgendwie damals erschienen, waren sie eigentlich gar nicht – der jüngste, 830, war sogar gerade einmal 34 Jahre alt (Baujahr 1976) und ist erst jetzt 47 (und befindet sich ebenfalls noch in Graudenz unter der Nr. 79 im Einsatz).
Aber hätte die SWK damals keine neuen Niederflurbahnen bestellt, wäre es fragwürdig, ob es das Straßenbahnnetz überhaupt noch gibt. 100%-Hochflurwagen bei 100% Niederflurbahnsteigen – könnte man sich im Jahre 2023 wohl kaum mehr der Politik und der Menschheit gegenüber rechtfertigen lassen. Interessant aber, dass das aber vor 15, oder eher 20 Jahren noch locker ging.
Das einmal zum Abschluss eines geschichtswürdigen Tages.