[KR] M8C 839 auf seiner letzten Fahrt – zum Schrottplatz (9B)

Am Donnerstag, 16.07.2020 hat sich der M8C 839 der SWK Mobil für immer verabschiedet. 
Vor knapp 40 Jahren, am 03.09.1980, war dieser Wagen als neunter M8C geliefert worden und war bis zum 28.05.2020 im Liniendienst, bis er um 7.40 h, unterwegs als Linie 042, an der (H) Grotenburg/Zoo einen Unfall erlitt. 
Leider ist ihm passenderweise auch in diesem Monat, Juli 2020, die HU abgelaufen, sodass er nun endgültig verschrottet wurde. Es war der 13. Abgang von ursprünglich 20 M8C’s. 

Auf seiner letzten Fahrt zum Schrottplatz am 16.07.2020, habe ich ihn gegen 13.40h noch auf der Berliner Straße, in Höhe der Kreuzung Glockenspitz fotografieren können.

Sein letzter Einsatz war am 28.05.2020 auf der Linie 042, doch an dieser Stelle, (H) Grotenburg/Zoo, war Schluss für ihn im Linieneinsatz. 
Tatsächlich wollte ich an diesem Donnerstagmorgen eine kleine Straßenbahntour in Krefeld machen und war daher schon früh auf den Beinen, obwohl ich keine Schule hatte. 
Um 7:36 Uhr, als ich gerade losfahren wollte, habe ich die Abfahrt von M8C 839 am Bockumer Platz noch knapp mit meinen eigenen Augen gesehen. Da hatte ich noch nichts geahnt und habe leider auch nichts gefilmt.
Doch nur vier Minuten später, drei Haltestellen weiter, fuhr er dann auf einen Pritschenwagen – und damit war das Ende für ihn im Linieneinsatz gekommen.

Hinter ihm folgte direkt der E043 (M8C 847) aus Uerdingen kommend, den ich auch noch am Bockumer Platz gesehen hatte, bevor ich in die Innenstadt gefahren bin. Wäre nur eine Ampelschaltung an der Bockumer Kirche anders gewesen, wäre dieser Unfall nicht passiert und der 839 hätte zumindest noch bis zu seinem Fristablauf in diesem Monat fahren dürfen. Aber vielleicht wäre dann sowieso Schluss gewesen. 

Mit dem Fahrrad etwas langsamer, gegen 7:44 Uhr an der (H) Grotenburg/Zoo angekommen, war der Schock für mich umso größer, da ich ihn ja noch vor acht Minuten fahrend gesehen hatte. Nun standen 839 und 847 hintereinander und vor dem 839 sicherte ein Streifenwagen die Straße.  

Da ich vom Fristablauf wusste, dachte ich mir schon, dass es eventuell seine letzte Fahrt auf Schiene sein könnte. Dementsprechend stellte ich mich am Betriebshof auf, während noch Verhandlungen zwischen den Fahrern und der Polizei vor Ort abliefen. Um 8:50 Uhr, fuhr er dann letztmals in den Betriebshof hinein und ich habe seine letzten Meter dokumentieren können, die er noch aus eigener Kraft gefahren ist – mit sichtbaren Unfallschaden.

Ein letztes Mal ins Betriebshof hinein – hier hieß es Tschüss sagen.

Tatsächlich fotografierte ich ihn glücklicherweise auch bereits an seinem vorletzten und drittletzten Einsatztag. 
Am Morgen des vorletzten Betriebstag, 27.05.2020, fotografierte ich ihn noch am Haupbahnhof gegen 8:22 Uhr. Auch an diesem Tag war er auf der 042 unterwegs.

Ein letztes Mal im Liniendienst mit Fahrgästen drinnen, fotografierte ich ihn dann an diesem Nachmittag kurz vor dem Erreichen der (H) Bockum Friedhof.

Am Tag zuvor, 26.05.2020, seinem drittletzten Einsatztag, begegnete er am Hauptbahnhof noch den M8C 845, der eine frische HU erhielt und auch heute noch nicht mal im Liniendienst ist. 
Zwar ist er seit dem 17. März manchmal anzutreffen, fährt aber bislang nur als Fahrschule. Zufälligerweise fuhr an diesem 26.05.2020 der M8C 845 als Fahrschule und begegnete dem M8C 839 am Hauptbahnhof genau dann, als ich dort war.
Ich wusste, dass diese Aufnahme einen Seltenheitswert genießen wird, da mir bekannt war, dass dem 839 spätestens im Juli 2020 die HU abläuft – und selbst wenn er danach eine HU bekommen sollte, nicht mehr in dieser Lackierung anzutreffen ist. Doch der Wert dieses Fotos folgte viel früher als man es erwartet hat – genau, nur zwei Tage später. Ich bin froh, dass mir diese Aufnahme noch gelungen ist, wenn auch im Gegenlicht.

M8C 839 war aus meiner Sicht ein besonderes Fahrzeug. Als einziger Wagen hatte er noch an einigen Stellen im Fahrzeug diese Tische im Innenraum. Ich vermute, dass sie noch aus Zeiten der Auslieferung stammen und diese bei den anderen M8C’s einfach entfernt wurden – bei anderen M8C’s sind nämlich kleine Löcher zu sehen, dort, wo die Befestigung von den Tischen sind. 
Ein weiteres auffälliges Merkmal war der Ton vor der Ansage der nächsten Haltestelle. Dieser Ton war etwa ein halbes Ton tiefer als der Ton vor den Ansagen in den anderen M8C’s. 
Das von 839 ist ein Doppelklang mit den Tönen, die ungefähr ein Viertelton tiefer sind als G#4 und F5, wohingegen die Töne von den anderen M8C’s eher ein Doppelklang mit Tönen sind, die ungefähr ein Viertelton höher sind als G#4 und F5.
Ein kleiner Unterschied von einem Halbton, aber der Ton von 839 wirkt deutlich historischer, wenn man diesen Ton gehört hat. Auch hier vermute ich, dass der Ton noch aus einer früheren Zeit stammt. 
Denn bei den FOC’s klingt der Ton von der Höhe her nämlich etwa genauso hoch wie die Töne der anderen M8C’s.
Übrigens: M8C 839 war zusammen mit 838 der einzige Wagen, der seit der Neulackierung in rot-weiß im März 2004 keine einzige Reklame erhielt, und auch zuvor nur mit Bandenwerbungen im Einsatz war.

Zudem war er der vorletzte verbliebene M8C aus der 1. Serie, die noch aus dem Jahre 1980 stammen. Mit ihm sind nun neun von zehn ausgemustert – lediglich 838 ist noch erhalten geblieben. 
Dieser steht seit dem 18. März 2020 nach Fristablauf abgestellt auf dem Betriebshof, wird aber vermutlich und hoffentlich eine aufwendige HU erhalten, wie es 845 bereits bekommen hat, momentan sind sie bei 842 dran.

Die M8C’s aus der 1. Serie weisen im Innenraum große Unterschiede zu denen aus der 2. Serie auf. Der Innenraum ist viel klassischer gestaltet, der wohl größte Unterschied sind die im Holzdekor gestalteten, runden Durchgänge der Gelenkportale. Der Innenraum der 2. Serie M8C haben hingegen eckige Durchgänge an den Gelenkportalen und sind auch in cremefarben lackiert – so wie die Decke. Damit wirken die Fahrzeuge aus der 2. Serie, 841-850, obwohl sie mit Baujahr 1981 nur ein Jahr jünger sind als die Fahrzeuge aus der 1. Serie, 831-840, deutlich moderner.

Die Variante von der 2. Serie Krefelder M8C haben auch viele andere M- und N-Wagen, die noch in Deutschland im Liniendienst sind – beispielsweise die M- und N in Augsburg, Bielefeld, Essen, Heidelberg, Kassel und Mainz. 
Doch soweit ich weiß, hat kein anderer M-/N-Wagen, der noch in Deutschland im Linieneinsatz ist, runde Durchgänge im Holzdekor, wie es bei den Krefeldern M8C 831-840 war – und wie es bei 838 noch ist.
Elf verbliebene Bochumer M6S und die vier Mülheimer M6C-NF haben zwar als die Einzigen noch runde Durchgänge, doch keines dieser Fahrzeuge hat eine solche Gestaltung wie das Holzdekor in den Krefelder M8C 831-840.
Dieses Holzdekor weckt schon fast Erinnerungen der GT8 – zwar waren die Farben des Holzdekors im Innenraum eines GT8 noch ein wenig dunkler, eher dunkelbraun, doch vom Grundsatz her ähnelt die Optik eher einen GT8 als einen M8C aus der 2. Serie.

In doppelter Hinsicht ist also die nur (noch) in Krefeld zu erlebende Variante deutlich erhaltenswerter – geht es also um den Erhalt eines M8C’s, plädiere ich nun ganz laut für den M8C 838, denn er ist nun der Einzige, der von dieser Serie noch erhalten geblieben ist. Wegen einzelnen anderen Details, beispielsweise den Tischen, den historisch wirkenden Tönen, den Spitzlichtern etc. hatte ich zwar bislang immer 839 bevorzugt, aber diese Chance wurde nun vorgestern endgültig gestrichen.

Hier mal eine Aufnahme von dem Innenraum mit den Gelenkportalen im Holzdekor – passenderweise zu diesem Beitrag aber von M8C 839.
Am 13.03.2020 hatte ich die Chance, den Innenraum von M8C 839 mal ganz ohne Fahrgästen zu fotografieren. Der Wagen war an diesem Tag als E043 unterwegs, verirrte sich aber auf die Strecke der 042. An der Gertrudisstraße mussten alle Fahrgäste aussteigen – da sie alle ja nach Uerdingen wollte. Mir war das aber egal, ich bin auch gerne nach Elfrath gefahren – und durfte paar Kilometer als einziger Fahrgast volle Fahrt auf der Strecke nach Elfrath genießen. 

Abschließend noch ein paar Wörter zum Fuhrpark. Insgesamt war dies nun die 13. Ausmusterung eines M8C von ursprünglich 20 M8C’s und die zwölfte Verschrottung. Nur M8C 836 wurde bisweilen nicht verschrottet, sondern verkauft und dient seit dem 5. Oktober 2016 in Kempen als Jugendtreff – direkt neben dem Schwimmbad Aqua Sol. Um einen Überblick zu erschaffen – verschrottet wurden bislang folgende 12 Wagen:
848 (19.11.2013)
849 (14.03.2014), 846 (26.06.2014), 832 (13.11.2014), 840 (03.12.2014)
833 (17.07.2017), 841 (24.07.2017), 831 (2?.12.2017), 837 (27.12.2017)
834 (26.11.2018), 835 (15.04.2019)
839 (16.07.2020)
Verblieben sind damit sieben Fahrzeuge – 838, 842, 843, 844, 845, 847 und 850 (wovon jedoch momentan drei wegen HU – 838 vor HU, 842 in der HU und 845 in der Zulassung nach HU – abgestellt sind). 

Doch damit hat sich die SWK nun tatsächlich selbst in eine brenzlige Lage verschafft.
In der gesamten Fahrzeuggeschichte war der generelle Fuhrparkbestand nie so klein wie jetzt. Zumindest in den vergangenen 20 Jahre lang waren 39 Fahrzeuge immer der Standard, davor waren es noch mehr Fahrzeuge.
Von den ursprünglich 22 GT8 mussten drei vorzeitig nach Brand (813) und Unfällen (820, 827) ausgemustert werden. Die 19 verbliebenen GT8 ersetzte man im Jahre 2010 1:1 gegen 19 FOC’s. 2014 wurden 12 weitere FOC’s geliefert – nun wurden aber 13 M8C ausgemustert. Damit hat die SWK nun mit 839 ein Fahrzeug mehr ausgemustert, als sie es eigentlich tun sollte.

Zumindest wurde im Jahr 2013 mit der Stilllegung der Strecke nach Tackheide ein Kurs der Linie 043 eingespart, sodass man vielleicht deswegen einen Fahrzeug mehr ausgemustert hat. Denn tatsächlich, wurde der erste Verschrottete, 848, noch ein halbes Jahr vor der Lieferung des ersten Fahrzeugs der 2. Serie (23.05.2014) verschrottet, in diesem Zeitraum waren es also mit 19 FOC und 19 M8C tatsächlich nur 38 Fahrzeuge. 
Damit befindet sich die SWK vielleicht noch in der Grauzone – 38 Fahrzeuge (7 M8C und 31 FOC) kann man vielleicht gerade noch so akzeptieren – doch eine weitere Verschrottung und die SWK befindet sich dann definitiv in einer Zone, wo es nicht mehr lustig wird. 

Aber dass man sich auf die Grundeinstellung von 38 Fahrzeugen geeinigt hat, war aus meiner Sicht ein Fehler und nun ist die Entscheidung zu spät. 
Beispielsweise kam es – vermutlich auch bedingt durch die unterbesetzte Werkstatt – während der Corona-Zeit zu massiven Fahrzeugengpässen. Denn selbst in den fünf Wochen, in denen der Fahrplan sowieso auf einen Samstagsfahrplan ausgedünnt war, mussten häufig M8C’s auf den letzten oder letzten zwei ausfahrenden Kursen des Tages aushelfen, obwohl man eigentlich vom Kursanzahl her locker mit den FOC’s auskommen müsste. Die FOC’s scheinen wohl ständig kleinere Macken und technische Probleme zu haben. Als zum 27. April auf den Schulfahrplan umgestellt wurde, mussten häufig mal E-Wagen Fahrten entfallen, an einem Tag musste sogar ein Tageskurs der 041 bis 14 Uhr durch Busersatzverkehr gefahren werden. Das hat zu diesem Zeitpunkt den meisten nicht interessiert, da deutlich weniger Schüler zur Schule gefahren sind und erst recht nicht mit der Straßenbahn, und jetzt sind Sommerferien. 
Doch sollte sich die Lage nicht ein wenig bessern, wird das ab Schulbeginn, 12.08.2020, wohl sehr kritisch. Besonders wichtig finde ich den Ausbau der Schülerfahrten auf der 043, da diese meistens mit 80 bis 100 Schülern besetzt ist. Da ich im Winter selbst mit der Bahn zur Schule gefahren bin, habe ich oft gezählt wie viele tatsächlich drin sind. Die Angabe, dass „100 Schüler keine überbelastete Bahn darstellen, da mit 46 Sitzplätzen und 111 Stehplätzen insgesamt 157 Plätze zur Verfügung stehen“, ist für mich kein Argument – wenn man da selbst drin ist wird man das wohl verstehen können. Aber nun ist auch die Chance weg, hier ein wenig auszubauen – denn die 38 Fahrzeuge sind ja exakt auf 31 Kurse berechnet worden, 32 Kurse wäre nun eine Überforderung. 

Diese gesamte Situation, die nun passiert ist, befürchtete ich bereits seit Oktober 2017, wenn nicht sogar noch früher, aber nun ist es zu spät. Es bleibt zu hoffen, dass nun wirklich kein weiterer M8C verschrottet wird, bis irgendwann, zwischen 2027 und 2030, neue Niederflurfahrzeuge in Krefeld eintreffen. Hoffentlich werden dann mehr als sieben neue Fahrzeuge bestellt.

Eine traurige Nachricht, die ich nun euch hier mitteile. Ich hoffe, dass der Bericht und die Fotos euch dennoch gefallen haben!

Ryokan