Interrail ’23 (6/6) – Tatras ohne Ende: die Strab in Prag am 29.03.2023 (53B)

Fast so lange wie die Tour verging, ist es bereits seit dem ersten Beitrag meines Reiseberichts vergangen – und nun, am heutigen Sonntag, kommt der letzte und damit gleichzeitig auch der umfangreichste Beitrag der vergangenen Europatour im März. 

Europatour Teil 6 von 6

Prag, Tschechien (28. – 31.03.2023)
Nach Lyon, Marseille, Nizza, Monaco, Mailand, Verona, Venedig, Budapest und Wien – waren wir am Nachmittag des 28. März in der zehnten und letzten Stadt der Tour angekommen. Mit großer Freude erwartete ich Prag, schließlich war dieser letzte Standort im Hinbetracht der Aktivitäten gänzlich anders als in den vergangenen neun Städten: Freunde treffen (zwei derer, die ich in London kennengelernt habe) und feiern gehen war fast schon so gut wie das einzige Ziel, was wir hier noch vor hatten. Nach 347.687 Schritten in den ersten 15 Tagen der Tour (13.-27.3.) [im Schnitt waren das 23.179 Schritte pro Tag] waren unsere Beine mittlerweile mehr als erschöpft, sodass wir merkten, dass viel Laufen unserem Körper auch nicht mehr wirklich gut ist. Am 28. März gegen 18 Uhr angekommen, verließen wir am ersten Tag nicht einmal mehr das Hotel und genossen den Abend im Zimmer mit bestelltem Lieverservice-Essen. So schlecht das auch klingt, es hat aber gut geschmeckt!

Direkt Morgen des 29. März war ich aber nach einem erholsamen Schlaf doch noch einmal etwas fitter als mein Freund und so ging ich wieder einmal circa anderthalb Stunden vor ihm aus dem Hotel heraus, während er wieder duschen ging und sich fertig machte. 
Los ging es an der Station Praha – Zahradni Mesto, mit einem Zusammentreffen von einer Tatra-Traktion 8362+8361 im Einsatz auf der 26 und einem Bus unmittelbar unterhalb der gleichnamigen Station für die Regionalzüge.

Hier verkehren die Linien 22 und 26. Auf beiden Linien betrug der Anteil der Tatras im Vergleich zum Anteil der modernen Niederflurwagen in etwa 1:1; auf jedem zweiten Kurs fuhr ein Niederflurwagen. Der erste gesichtete Kurs der 22 war mit dem Wagen 9314 eine Niederflurbahn des Typs Škoda 15 T, welche die modernsten im Linieneinsatz befindlichen Bahnen in Prag sind. Insgesamt wurden 250 Wagen ausgeliefert, welche die Wagennummern 9200 bis 9450 tragen.

Tatsächlich dachte ich am Anfang, dass die ersten zwei Nummern der Jahreszahl entsprechen, in denen die Wagen ausgeliefert wurden und wunderte mich, dass in Prag 1993 schon so moderne Bahnen gebaut wurden. Das war es aber natürlich dann doch nicht; die Bahnen wurden zwischen 2009 und 2019 erbaut und ausgeliefert und sind somit nur 4 bis 14 Jahre alt.

Ein baugleicher Wagen, 9306, kommt von der anderen Richtung als Linie 26 her.

Der nächste Kurs der 22 war dann ein Tatra – scheinbar ein Besonderer oder zumindest mit einer besonders auffälligen, schwarz-gelben Werbung. 

8410 angekuppelt mit 8411, welcher auch dieselbe Werbung trägt.

Ich fuhr mit der nächsten Linie 22 ein Stückchen in Richtung Stadt und gestaltete die Route so, dass ich zwischendurch immer wieder ausstieg um Fotos zu machen. 
Der erste Ausstieg erfolgte an der Haltestelle Čechovo náměstí. Dort begegnet die Linie 22 der Linie 13, welche dort ihre Endhaltestelle hat. 
Auf der 13 werden die Tatras Solo eingesetzt, was einen sehr süßen Eindruck gemacht hat – wo sieht man heutzutage noch so kleine Straßenbahnwagen. 

Die Pausenzeiten werden wohl mit recht viel Puffer einberechnet, so kam der übernächste Kurs bereits in die Warteanlage via Häuserblockumfahrung eingefahren, kurz nachdem der oben gezeigte 8348 als erster Wagen abgefahren ist. Damit konnten zwei Solo-Tatras, 8460 und 8272, hübsch aufgenommen werden.

Auf der 22 werden Tatras hingegen nur in Doppeltraktion eingesetzt. 8566 verkehrt in Fahrtrichtung Vypich – und das rote Gebäude im Hintergrund passt irgendwie zur Bahn:

Noch schöner war aber der Rückschuss, mit der Kirche Kostel sv. Mikuláše und der Spitze des historischen Gebäudes Vršovický zámeček im Hintergrund.
Hier hält die Traktion 8356+8357 gerade an der Haltestelle Vršovické náměstí.

In der Kurve kommt in die Gegenrichtung eine Niederflurbahn angefahren. Eingesetzt wurden auf der 22 ausschließlich die Skoda T 15 – Wagen.

Auch ein Solo-Tatra der Linie 13 (Wg. 8067) zeigt sich hier in der Kurve sehr hübsch.

Welch unterschiedliche Typen an Tatras alles im Einsatz war, fand ich doch beeindruckend. Bei den ganzen unterschliedlichen Typen und Modernisierungen habe ich in der kurzen Zeit kaum einen Überblick über die unterschiedlichsten Arten der Tatrawagen schaffen können. Mit LED-Anzeigen ist er jedoch viel moderner ausgestattet, als der oben zu sehene 8067, bei dem nichtmal das Ziel auf die Frontmatrix geschafft hat. 

Hier treffen sich mit 8272 und 8367 wieder zwei unterschiedliche Typen an der Haltestelle. 

Weiter ging es mit der nächsten Bahn, und als Nächstes ausgestiegen wurde an der Haltestelle Jana Masaryka. Hier sind wir bereits am Eingang der Innenstadt; dementsprechend war der Verkehr nun noch dichter. Mit 8215 auf der 13 und 9103 auf der 16, konnten zwei Tatras beim Erklimmen der Straße Francouzská aufgenommen werden. Ganz im Hintergrund ist die Prager Burg zu sehen, die wir leider selber nicht besichtigen konnten. 


Hier zweigen sich die Linien 10 und 16 von den Linien 4, 13 und 22 ab – die 22 (wie hier die Traktion mit 8354) fährt gerade aus, während die 10 und 16 hier nach links abbiegt.

Auch auf den anderen Linien ist der Wageneinsatz bunt gemischt. Auf der 10 wurden auch Tatras gesichtet, als Erstes fotografiert wurde hier aber ein Skoda T15. 

Auf der 16 war mit 9102 nun noch ein weiterer Tatra-Typ im Einsatz – der Typ Tatra KT8D5R.N2P. Die Bezeichnunge lassen sich nicht merken, und teilweise, wie dieser Wagen, sind sogar Gebrauchtübernahmen, die jedoch so umgebaut wurden, dass sie identisch zu den originalen Prager Tatras aussehen. 9102+9103 beispielsweise stammen aus Miskolc (Ungarn) übernommen und sind erst seit 2020 in Prag im Einsatz! Vorher verkehrten sie von 1989 bis 2016 im rumänischen Miskolc.

Dem begegnet ein Original-Tatra 8225, ein Tatra T3R.P aus dem Jahre 1967, ex 6642. Dieser Wagen soll also bereits stolze 56 Jahre alt sein.

In die Gegenrichtung wieder eine moderne Niederflurbahn mit 9397.

8352 ist auch ein Typ ex Tatra T3R.P. Mit 315 Fahrzeugen gehören die meisten Tatras diesem Typ an. 8352, ex 6602, stammt sogar aus dem Jahre 1966.

Alt, alt, alt – 8352+8353 begegnet dem Tatra-Solo 8229, auch ein Tatra T3R.P.

Als Nächstes begegnen sich 8239 mit 9100. 

Die Blütezeit hat bereits begonnen! Hier ist 8372 an der nächsten Haltestelle Náměstí Míru zu sehen…

… die er gerade verlassen hat. Ich mag es, wenn immer wieder Grün in die Städte eingebracht wird.

Kurz darauf traf ich einen ganz besonderen Wagen an, dem Wagen 5523. Es sind wohl Wagen, die mittlerweile ausschließlich zu Fahrschulzwecken eingesetzt werden.

Gekuppelt mit 5525 biegt auch er um die Kurve und fährt die Straße Jugoslávská nun in Richtung Innenstadt herunter. Auch die Schottersteine gefielen mir sehr.

Aus der anderen Seite kommt wieder eine 83er-Tatratraktion.

und ein Solo auf der 13. 

Fußläufig mittlerweile angekommen an der nächsten Kreuzung I. P. Pavlova, an dessen Ecke sich die KFC auch ganz auffällig niedergelassen hat.
Die Tatras mit der 80 vorne dran machten mir den ältesten Eindruck. Sind sie es auch? Nein, tatsächlich soll er mit Baujahr 1976 sogar jünger sein als die 83er Tatras. 
Aber ich weiß es nicht… die Daten sind dafür einfach zu kompliziert. 

Hier kreuzen sich die verschiedensten Linien. Sehr interessant fand ich es hier zu sehen, wie sich Straßenbahnen und IV gegenseitig Vorrang geben, wobei meist den Straßenbahnen der Vorrang gewährt wurde. 8416, nun mal ein Tatra auf der Linie 11 zu sehen.

Dieser Traktion hat auch der Tatra 8067 im Einsatz auf der 13 begegnet. 

Auch zwei offensichtlich unterschiedliche Tatra-Typen, gar von unterschiedlichen Herstellern, können miteinander gekuppelt werden. Der vorne zu sehene 8270 ist tatsächlich ein neu erbauter Tatra aus dem Jahre 2008 – gar nicht mal so lange her: 

Zwei 85er-Tatras begegnen sich an der Haltestelle – im Einsatz auf der 6 und der 22. Der Hintergrund ist wieder einmal so schön.

Bahnen ohne Ende. Die Linien sind so dicht getaktet, so verkehrt die Linie 22 alle vier Minuten; auf den anderen Linien ist der Takt ebenfalls in etwa dem entsprechend.

Den Blick einmal um 90° gedreht. Wolt, ein Lieferdienstservice, liefert mittlerweile auch auf E-Scootern. Auch dieser begegnet hier an der Kreuzung der niederflurigen Tram der Linie 11, der gerade links abbiegen möchte: 

Noch einmal um 90° gedreht, nun also die Haltestelle im Rücken, fotografierte ich 9068+9069 im Einsatz auf der 22 – mit der Basilika St. Ludmilla im Hintergrund.

Anschließend ging es noch einmal ein Stückchen weiter bis zum zentralen Teil der Innenstadt – in den Bereich der Neustadt. 
Hier war der Verkehr am Dichtesten – allein die hier zu sehene Haltestelle Karlovo náměstí wird von zehn Linien befahren, die alle in einer Taktfrequenz von 4 bis 8 Minuten verkehren. 
Wieder einmal fotografierte ich die 22: 

Nun konnte ich aber sogar noch einen ganz unterschiedlichen, neuen Fahrzeugtyp entdecken – Škoda 14 T, einem teilweise niederflurige Bahn. 60 Wagen mit den Nummern 9111 bis 9170 befinden sich in Prag seit 2006 im Liniendienst. Meiner Meinung nach haben die Bahnen irgendwas – sehr präsent und ominös sind sie auf jeden Fall – sie sind designed by Porsche Design. 9166 war auf der 3 im Einsatz.

So groß diese Fahrzeuge auch wirken, im Vergleich zu den hohen, mehrstöckigen Altbauten wirken sie winzig – der nächste dieses Typs kam im Einsatz auf der Linie 14 angefahren. 

Da sieht man den dichten Takt – ein Tatra auf der Linie 2, dahinter zwei Skoda T15 auf der Linie 14 und noch einer anderen Linie. Gefühlt – und vielleicht ist es sogar so – ist eine B80-Doppeltraktion aber trotzdem noch länger als die drei Straßenbahnwagen zusammen. 

Weitere Bilder des dichten Verkehres… hier sind sogar – wenn man genau hinschaut – vier Bahnen auf dem Bild zu erkennen. Ein Abzweig links, ein Abzweig rechts – kreuz und quer verkehren die Straßenbahnen durch die Innenstadt. 

An der Haltestelle Lazarská war es so gut wie unmöglich, keine Straßenbahn zu sehen. Nun habe ich auch eine Linie 18 gesehen, auf der auch ein Skoda T15 im Einsatz war. 

Und dann kam noch eine Bahn der sogenannten „Nostalgielinie 23“ angefahren. 7001 ist ein Tatra T3SU aus dem Jahr 1982, der seit 2017 mittlerweile nur noch auf dieser Linie 23 verkehrt: 

begegnet auch eine moderne Niederflurbahn, die gerade an der Kreuzung nach rechts abbiegt.

Auch auf der 9 verkehrten Tatras – eigentlich auf (fast) allen Linien. Allein Skoda T14 und T15 machen 310 Fahrzeuge aus; von den Tatras sind noch einmal mindestens die selbe Anzahl an Fahrzeugen im Einsatz, wenn nicht sogar noch mehr. Insgesamt müssten wir auf etwa 600 bis 800 im Liniendienst befindlichen Wagen kommen. 

Tatra 6921, ein T3 in der ursprünglichen Bauart im Einsatz auf der 23.

Der nächste Gegenkurs der Linie 9 wurde mit Tatra 8308 kurz nach dem Verlassen der Haltestelle Vodičkova aufgenommen. Die Kurve war eine schöne Perspektive; die Prager Innenstadt mitsamt der Architektur hat mich jetzt schon total begeistert!

In die Gegenrichtung 9241, im Einsatz auf der Linie 24. 

Kurze Zeit später begegnet er einer Tatra-Traktion auf der 24 in die Gegenrichtung: 

Und der selbe Fahrzeugtyp war auch auf der 5 im Einsatz. 

Schließlich bin ich an der Haltestelle Václavské náměstí angekommen, wohl eines der zentral liegenden Haltestellen in Prag, unmittelbar vor dem wirklich sehr empfehlenswerten Nationalmuseum Prag. 8275, der die Haltestelle gerade verlassen hat, und das dort eigentlich ein wenig irrtümlich befindliches Auto sind doch ein starker Kontrast. 

Und zum krönenden Abschluss, bevor ich mich mit meinem Freund am Nationalmuseum traf – wurde die Tatra-Traktion 8161+8162 an der Haltestelle fotografiert. 

Tatsächlich sind diese letzten beiden Aufnahmen auch eine meiner Lieblingsaufnahmen aus Prag – sie zeigen doch so schön, wie belebt die Innenstadt ist. 

Und damit ist auch mein gesamter Reisebericht der Europatour 2023 zu Ende!
Ich hoffe, euch haben die Aufnahmen gefallen.

ch bin glücklich darüber, dass ich – trotz der Tatsache, dass die Straßenbahnfotografie in der gesamten Hinsicht der Tour nur einen ganz kleinen Teil ausgemacht hat – diese Fotos gemacht zu haben. Und gerade in Prag hat man gesehen, wie viel man doch auch mal von einer gegebenen Zeit von nur anderthalb Stunden herausholen kann – das fand ich schon krass. Als Außenstehender hätte man eventuell glatt denken können, dass ich gerade für all diese Aufnahmen einen halben Tag gebraucht habe. Funktioniert aber natürlich nur bei einem dementsprechend schönen, dichten Angebot wie in Prag 😉

Auf Wiedersehen Prag – hier werde ich sicherlich bestimmt noch einmal hinkommen. Auch die folgenden Stunden in Prag waren sehr schön – und am 31. März fuhren wir schließlich über Berlin (wo wir noch etwa zwei Stunden verbracht haben und ein wenig durch den sogenannten „Pissregen“ gelaufen sind, den wir schon ewig nicht mehr gehabt hatten) zurück nach Krefeld, wo ich gegen 23 Uhr sicher zuhause ankam. 

Euch einen schönen Start in die neue Woche!
Ryokan